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DG-Krankenhäuser wünschen sich von Minister Antoniadis Lösungsvorschläge statt mehr Druck (Grenz-Echo 13.09.2021)

Die vorübergehende Schließung der Eupener Entbindungsstation hat in den vergangenen Tagen unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Nachdem zum Wochenende hin DG-Minister Antonios Antoniadis (SP) gegenüber dem GrenzEcho mit Besorgnis auf die „neuen Verhältnisse“ reagierte, für mehr Zusammenarbeit zwischen Eupen und St.Vith warb und dabei auch nicht mit Kritik in Richtung der Direktion des Hauses sparte, folgte am Montagmorgen die „Retourkutsche“ von Christian Krings und
Claudia Niessen. In einer gemeinsamen Mitteilung beziehen die Verwaltungsratspräsidenten der beiden Krankenhäuser in der DG Stellung zu den Aussagen von Antoniadis.

Ihr Tenor: Die Zusammenarbeit der DG-Kliniken wird konkret, sie ist aber nicht immer möglich. „Im konkreten Fall der Entbindungsstation Eupen ist ein gemeinsamer Bereitschaftsdienst der Gynäkologen von St.Vith für Eupen oder Kinderärzte von Eupen für St.Vith im Rahmen mehrerer Unterredungen – insbesondere auch von der Ärzteschaft – als nicht möglich erachtet worden, unter anderem wegen der Verpflichtung, bei einem Notruf innerhalb kürzester Zeit (in der Regel 15 Minuten) vor Ort zu sein. Mit anderen Worten: Entweder ist man für St.Vith oder für Eupen im Dienst, aber wegen der Entfernung nicht für beide. Deshalb wehren wir uns gemeinsam gegen den Eindruck, hier würde eine mögliche Zusammenarbeit nicht praktiziert“, so
Claudia Niessen und Christian Krings in ihrer Stellungnahme.

Um einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst in einer Abteilung mit Akutversorgung rund um die Uhr zu gewährleisten, benötige man etwa fünf Fachärzte. Diese seien aber in Belgien nicht zu finden, sodass im Ausland mit mehr oder weniger Erfolg und enormem Aufwand für die Anerkennung in Belgien geworben werden müsse. Zusätzlich würde immer wieder der Finger „in
unsere Richtung“ gezeigt, um auch Personal zu bezeichnen, welches der deutschen Sprache mächtig ist. Und: Im aktuellen Finanzierungssystem des Gesundheitswesens seien insbesondere kleine Kliniken benachteiligt.

In ihren Ausführungen gehen die beiden Verwaltungsratspräsidenten dann auch noch weiter ins Detail und bitten „die politisch Verantwortlichen um Hilfe in Form von konkreten Lösungen für folgende Probleme“:

1. Ärzte und Pflegekräfte sind Mangelware, die unter der Last von immer mehr Bürokratie und höheren Anforderungen leiden. Ihre Liebe zum Beruf wird dadurch gebremst, weil sie zu wenig Zeit für die ihnen anvertrauten Patienten haben.

2. Nach der sechsten Staatsreform leiden die beiden DG-Kliniken darüber hinaus unter einer Unterfinanzierung aufgrund der Eingliederung der Investitionen und Anschaffungen im Krankenhauswesen in das bestehende Infrastrukturdekret der DG. Das bestehende Infrastrukturdekret wurde vor der Übernahme der Kompetenz für die Infrastruktur der Kliniken im Parlament verabschiedet und trägt der besonderen Situation im Krankenhaussektor keine Rechnung.

3. Infolge der immer noch bestehenden Steuerparadiese in der EU sind die Kliniken der DG benachteiligt, weil frisch ausgebildete Pflegekräfte von der Hochschule in Eupen größtenteils direkt ins Großherzogtum abwandern, wo sie erheblich mehr verdienen.

Ihr Appell in Richtung des DG-Gesundheitsministers: „Wir kommen nicht weiter, wenn wir den Eindruck bekommen, die Politik in Ostbelgien baut zu falschen Momenten Druck auf, ohne dabei weder die Befugnis noch die Kompetenz zu haben, in irgendeiner Form unsere Rahmenbedingungen zu verbessern. Die Bereitschaft, gerade auf Direktions- und Verwaltungsratsebene, zu einer engen Zusammenarbeit hat sich in den vergangenen Monaten etabliert, ja sie ist da und lebt. Wir führen auf allen Ebenen konstruktive und zielorientierte Gespräche, um das Gesundheitswesen in der DG zu verbessern und uns im Netzwerk Move zu
positionieren. Wir brauchen strukturelle Reformen, um den Pflegesektor in Belgien und Ostbelgien attraktiver zu machen, wir brauchen mehr Ärzte und Pfleger. Wir brauchen aber auch die gleiche finanzielle Unterstützung seitens der DG wie im übrigen Belgien – ansonsten können wir nicht überleben. So haben die Krankenhäuser der Wallonischen Region zum Beispiel
Zuschüsse während der Coronakrise bekommen.“

Etwas „kleinlich“ wirkt zum Schluss der Hinweis, wieso ein Treffen zwischen dem neuen Generaldirektor der beiden Krankenhäuser, Philippe Felten, und Minister Antoniadis bislang noch nicht stattgefunden habe. „Die Begründung für eine Absage eines Termins wurde dem Minister persönlich mitgeteilt – nachdem der Minister den ersten vereinbarten Termin verschoben hat. Zudem wurde der Minister auch persönlich und vorzeitig über die Hintergründe für die zeitweilige Schließung der Entbindungsstation in Kenntnis gesetzt.“ Der Hintergrund: Der SP-Politiker hatte gegenüber dem GrenzEcho explizit darauf hingewiesen, dass ein erstes Treffen zwischen ihm und der neuen Krankenhausführung noch nicht stattgefunden hatte – was durchaus als Spitze in Richtung Direktion zu verstehen gewesen war. (red/mcfly)